Darum geht es bei der zweiten Welle von Arbeitsmarkt-Reformen in Frankreich

Im Herbst beschlossen Regierung und Parlament eine erste Stufe von Reformen, die den französischen Arbeitsmarkt flexibler machen sollen.

Nun möchte die Regierung bis im Sommer 2018 diese Reformen auf drei Bereiche ausweiten:

  • bei der Arbeitslosenversicherung
  • bei der beruflichen Weiterbildung
  • bei der Lehrlings-Ausbildung

Nach der Einschränkung des Kündigungsschutzes, geht es nun also darum, Arbeitnehmenden den Einstieg in die Berufsbildung zu vereinfachen, dafür zu sorgen, das Angestellte ihre Qualifikationen erhalten können und Arbeitslose dabei zu unterstützen, eine neue Anstellung zu finden.

Entsprechend lautet der Titel dieses Gesetzes-Paketes: «Projet de loi pour la liberté de choisir son avenir professionnel» (‚Gesetz für die Freiheit, seine berufliche Zukunft zu wählen‘).

Aktuell liegt die Arbeitslosenquote in Frankreich bei 8.6% (4. Quartal 2017). Davon gelten 3.6% als Langzeit-Arbeitslose, das heisst dass diese seit mehr als 12 Monaten als arbeitslos gemeldet ist.

Die Änderungen bei der Arbeitslosenversicherung im Überblick

Bisher konnten Arbeitnehmende Unterstützungsbeiträge nur geltend machen, wenn ihr Arbeitgeber den Arbeitsvertrag kündigte.

Neu erhalten unter bestimmten Voraussetzungen auch Personen, die von sich aus ihren Arbeitsvertrag kündigen oder Kleinst-Unternehmer, die wieder eine Anstellung suchen, Gelder aus der Arbeitslosenversicherung.

Diese Ausweitung der Bezugsrechte war ein zentrales Wahlversprechen des Präsidentschafts-Kandidaten Emmanuel Macron.

Arbeitnehmer, die von sich aus kündigen, müssen mindestens 5 Jahre in die Arbeitslosen-Versicherung einbezahlt haben und einen ‚valablen‘ Plan für eine Umschulung oder die Gründung eines eigenen Unternehmens vorlegen. Dieser wird von einer unabhängigen Organisation geprüft.

Wer Selbstständiger war, muss belegen, dass seine Firma Konkurs erlitt und darf keine andere bezahlte Anstellung haben.

Die Ausweitung der Bezugsrechte wird durch eine leichte Erhöhung der gesetzlichen Sozialabgaben für Arbeitgeber finanziert.

Zusätzlich führt die Regierung ein Bonus-Malus-System für Arbeitgeber ein. Arbeitgeber, die in hoher Zahl extrem kurze Arbeitsverträge nutzen, müssen auf diesen Stellen Straf-Steuern bezahlen. Damit will die Regierung gegen den Missbrauch vorgehen, dass Arbeitgeber je nach Auftragsvolumen ihre Angestellte mit kurzen Verträgen zu einer Art „Temporär-Angestellten“ machen, ohne dafür mehr bezahlen zu müssen.

Die Änderungen bei der beruflichen Weiterbildung im Überblick

Jeder Arbeitnehmer hat das Recht auf Weiterbildung im Umfang von jährlich fünf Arbeitstagen. Neu wird dies nicht mehr in Stunden, sondern in Euro ausgewiesen (500 Euro pro Jahr).

Damit werden alle Angestellten gleichgestellt. Bisher profitierten höhere Angestellte nämlich von sehr viel teureren Weiterbildungen als ihre Kollegen in weniger privilegierten Bereichen.

Der Weiterbildungs-Fonds wird neu vom Staat verwaltet und nicht mehr von den Sozialpartnern.

Alle Anbieter von beruflichen Weiterbildungen werden von einer staatlichen Behörde beaufsichtigt. Das soll einheitliche Qualitäts-Standards und eine hohe Kosten-Transparenz für berufliche Weiterbildungen garantieren.

Die Änderungen bei der Lehrlings-Ausbildung im Überblick

Oberstes Ziel ist es, die Zahl von Lehrlingen pro Jahr (aktuell weniger als 350’000) deutlich zu steigern.

Lehrwerkstätten müssen künftig keine Bewilligung ihrer Regionalregierung haben, um Lehrgänge anzubieten. Auch Berufsverbände können autonom von der regionalen Wirtschaftsförderung Lehrwerkstätten eröffnen.

Das Arbeitsrecht für Lehrlinge wird flexibler. Wenn nötig können Lehrlinge länger und auch an Randzeiten (Abend, Morgen) arbeiten, was bisher verboten war. Lehrlinge als Dachdecker können so etwa in den Sommermonaten länger arbeiten und diese Mehrstunden im Winter kompensieren.

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Autor: Charles Liebherr

...arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent für Radio SRF in Paris. ...war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern. ...war ein Onliner der ersten Stunden. ...mag Reportagen und besonders zwei Frauen.