Olivier Faure ist der neue Parteipräsident des Parti Socialiste

Er ist der Vorsitzende der Fraktion der «Nouvelle Gauche» in der Assemblée Nationale, also von jenen Sozialisten, welche die letzten Parlamentswahlen politisch überlebten.

Nun ist er der 1. Sekretär der Sozialistischen Partei Frankreichs. Anfangs April wird er an einem Partei-Kongress offiziell gewählt.

Olivier Faure erreichte bereits im ersten Wahlgang der parteiinternen Wahlen beinahe die Hälfte der abgegebenen Stimmen. All seine Gegner zogen sich daraufhin zurück.

Sur les 36.439 suffrages exprimés, M. Faure a obtenu 48,56% des voix, M. Le Foll 26,10%, M. Maurel 18,98% et M. Carvounas 6,36%.

 

«Renaissance» – unter diesem Titel machte Olivier Faure Kampagne.

Sein Ziel ist, die in zwei Lager gespaltenen Sozialisten wieder auf einen gemeinsamen Kurs zu führen.

In diesem Sinn nimmt er für sich in Anspruch, in der Tradition des gescheiterten Präsidenten François Hollande zu stehen, also interne Kompromisse zu suchen.

Damit ist aber auch gesagt, dass 1.) seine Aufgabe fast unmöglich ist und 2.) dass die Sozialistische Partei keinen Anspruch mehr haben kann, dereinst Regierungspartei zu werden.

Denn die Parteien im linken politischen Spektrum sind zahlreich geworden:

  1. Macrons Partei «La République en Marche» hat fast vollständig den rechten, sozialdemokratischen Flügel der Sozialisten absorbiert. Viele ehemalige Parteikader haben die Partei verlassen oder wurden ausgeschlossen.
  2. «La Nouvelle Gauche», zu der Olivier Faure gehört, repräsentiert nur noch einen kleinen Teil der ehemaligen Partei, nämlich jene Kräfte, die François Hollandes Erbe verteidigen wollen, und immer noch an eine dauerhafte Versöhnung des linken, kapitalismus-kritischen Flügels mit einem rechten, eher sozial-liberalen Flügel, glauben.
  3. Der kläglich gescheiterte Spitzenkandidat der Sozialisten bei den Präsidentschaftswahlen 2017, Benoît Hamon, hat links der Sozialisten eine eigene Partei, «Génération.s», gegründet. Er sieht keine Zukunft mehr innerhalb der .
  4. Jean-Luc Mélenchon bleibt die zur Zeit stärkste politische Kraft im linken Lager. «La France insoumise» sieht sich in Opposition zur PS und natürlich zur Regierungspartei von Präsident Emmanuel Macron.

Es wartet also viel Arbeit auf Olivier Faure, wenn er das linke Lager wieder unter seiner Führung zusammenführen will.

Das wäre aber Voraussetzung dafür, innerhalb des französischen Wahl-Systems überhaupt eine Mehrheit zu erlangen.

Wenig deutet darauf hin, dass Olivier Faure die Sozialisten bald zu neuer Stärke verhelfen kann.

Autor: Charles Liebherr

...arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent für Radio SRF in Paris. ...war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern. ...war ein Onliner der ersten Stunden. ...mag Reportagen und besonders zwei Frauen.