Nach Rücktritt von Vice Florian Philippot: Front National sucht weiter seinen Weg

Letztlich war es nur noch eine Frage des Zeitpunktes.

Seit Wochen zeichnet sich ab, dass sich die Wege von Marine Le Pen als Präsidentin des Front National und Vizepräsident Florian Philippot früher oder später trennen.

Florian Philippot wählt den Rücktritt, nachdem Marine Le Pen ihm alle Verantwortlichkeiten, Strategie und Kommunikation, entzogen hatte.

Florian Philippot hätte wählen müssen, zwischen Abbruch das Aufbaus einer eigenen Partei innerhalb des Front, „Les Patriots“. Oder Alleingang.

Hinter dem Zwist steht die Frage, welche Strategie Le Pen ihrem Front National verpassen will.

Bisher gewann der Wähleranteile, weil er sich thematisch öffnete: Verteidigung eines starken Sozialstaates und Austritt aus dem Euro-Raum, später auch aus der EU. Das war die Linie, die Philippot vertrat und in der Öffentlichkeit verteidigte.

Die traditionellen Kräfte in der Partei, die sich eine Positionierung des Front Nation konservativ, rechts-nationalistisch, wünschen und in wirtschaftlichen Fragen eher einen liberalen Kurs befürworten, fordern seit langem eine Kurskorrektur ihrer Chefin und die Verbannung von Florian Philippot.

Die Kurskorrektur erfolgt nicht mit dem Rücktritt von Florian Philippot. Marine Le Pen will die Doppelstrategie sogar noch weiter ausbauen, der Partei möglicherweise einen neuen Namen geben und dann 2022 zum x-ten Mal für die Präsidentschaftswahlen antreten. Was das inhaltlich bedeutet, ist alles andere als klar.

An einem Parteitag im März 2018 soll das diskutiert werden.

Die persönlichen Ambitionen von Florian Philippot passen schlecht zu diesem Zeitplan. Um einen monatelangen Machtkampf in der Öffentlichkeit zu verhindern, sprach Marine Le Pen nun ein Machtwort, um selber an der Macht zu bleiben.

Der Front National weiss zur Zeit nur, wer seine Partei-Präsidentin ist. Einen klaren poltischen Kurs der Partei ist nicht zu erkennen.Ein Programm fehlt.

Immerhin ist nun klar, wie die internen Diskussionen zwischen dem rechten und dem linken Flügel des Front National in den Augen von Marine Le Pen geführt werden sollen, nämlich hinter verschlossenen Türen.

Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.