Präsident Macron darf mit einer klaren Mehrheit im Parlament rechnen. Viel Hausaufgaben für die politischen Gegner.

Quelle: Franceinfo.fr

Bei den französischen Parlamentswahlen zeichnet sich ein sehr klarer Sieg für die Partei von Präsident Emmanuel Macron ab.

Im ersten Wahlgang erreicht die Partei «En Marche» einen Wähleranteil gemäss ersten Hochrechnungen von rund 32 Prozent.

Die bürgerliche Rechte erreicht 21.5%, der Front National 14 % der Stimmen. Die Sozialistische Partei kommt auf gerade einmal 10 Prozent der Stimmen.

«La République En Marche» dürfte nach dem zweiten Wahlgang in einer Woche gegen 400 Sitze im Parlament erreichen. Die absolute Mehrheit der Sitze scheint für die Partei, die es vor einem Jahr noch gar nicht gab, nur noch eine Formsache zu sein.

Die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler scheinen also den Weg der politischen Erneuerung konsequent weiter gehen zu wollen. Das ist bemerkenswert.

«En Marche» schickte eine Mehrheit Kandidaten in diese Wahl, die noch nie ein politisches Amt bekleideten. Das scheint kein Nachteil zu sein, im Gegenteil.

Die historisch tiefe Stimmbeteiligung von 50 Prozent spielt dabei allerdings auch eine Rolle. Sie begünstigt die Erstplatzierten mit Blick auf den zweiten Wahlgang.

In vielen Wahlkreisen wird es ein Duell mit den Kandidierenden der rechten Républicains geben. Deren Kandidaten erreichten einen leicht höheren Wähleranteil als bei den Präsidentschaftswahlen.

Der Front National hingegen verliert Stimmen. Die Partei von Marine Le Pen darf zwar damit rechnen, mit mehr Parlamentariern als bisher in der Nationalversammlung vertreten zu sein.

Im Vergleich zu den Präsidentschaftswahlen verliert der Front National aber fast 10 Prozent Wähleranteil. Die Niederlage gegen Emmanuel Macron vor einem Monat scheint die Partei und ihre Wähler noch nicht verdaut zu haben.

Auch der Front National muss in den kommenden Monaten über die Bücher und sein Programm anpassen, um eine breitere Wählerbasis an sich binden zu können.

Eine bittere Niederlage erleiden wie zu erwarten war die Sozialisten. Mit einem Wähleranteil von nur 10 Prozent verliert die Partei wahrscheinlich gegen 250 Sitze in der Nationalversammlung.

Die Sozialisten müssen sich neu erfinden, wollen sie in Frankreich politisch noch eine Zukunft haben.

Es fehlt der Partei allerdings eine Persönlichkeit, welche der Partei ein neues Fundament geben könnte in den nächsten Monaten.

Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.