François Bayrous neue Rolle: Königsmacher im Dienste des Landes?

Der Zentrums-Politiker François Bayrou (ModDem), Bürgermeister von Pau verzichtet auf eine Kandidatur bei den französischen .

Seine Absage kommt Emmanuel Macron entgegen, dem jungen Aufstreber in der französischen Politik.

Die Rolle des Königsmachers wollte François Bayrou schon bei den Vorwahlen der Rechten im letzten Herbst spielen.

Er unterstützte Alain Juppé und kalkulierte falsch. Die Vorwahlen gewann François Fillon.

François Bayrou hatte Fillons Programm als gefährlich für Frankreich bezeichnet, weil es so kompromisslos rechts verankert blieb, auch nach den gewonnen Vorwahlen: Radikal sparen, Stellen streichen in der öffentlichen Verwaltung, konservative Werte pflegen.

Viele glaubten darum, François Bayrou steige nun selber -zum vierten Mal in Folge- in einen Präsidentschaftswahlkampf ein. Als Aussenseiter.

Falsch kalkuliert. Bayrou setzt auf Emmanuel Macron. Das ist konsequent.

Bayrous neues Steckenpferd Emmanuel Macron politisiert auf der fast gleichen Linie wie Alain Juppé: Pro Europa, liberal in Wirtschaftsfragen, konsens-suchend gegenüber den Sozialpartnern, ideologisch offen in Gesellschaftsfragen.

Darum bevorzugt Bayrou die Rolle des Königsmachers. Darum lässt er Macron den Vortritt, denn die eigenen Chancen wären verschwindend klein.

Gemäss aktuellen Umfragen werden sich Fillon und Macron im ersten Wahlgang ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Freilich nur um den zweiten Platz – hinter der grossen Favoritin Marine Le Pen vom Front National.

Aber entscheidend für die Stichwahl, denn nur der Zweitplatzierte bleibt im Rennen.

Bayrou rechnet damit, dass jede Stimmen zählen wird, um ein Duell zwischen François Fillon und Marine Le Pen im zweiten Wahlgang zu verhindern.

Darum verzichtet Bayrou und zeigt seiner Basis, die teilweise auch jene von Alain Juppé ist, in der politischen Mitte einen klaren Weg vor: Wessen Herz politisch mitte-rechts oder mitte-links schlägt, soll Macron wählen im April – nicht François Fillon.

Bayrous Unterstützung ist für Macron von doppeltem Wert.

Sie zeigt, dass der junge politische Aufsteiger eine glaubwürdige Alternative darstellt zu politisch extremeren Positionen ganz rechts oder ganz links.

Sie zeigt auch, dass ein Generationen-Wechsel bevorsteht in der französischen Politik, solle Macron gewinnen.

Immerhin darf Bayrou als Vertreter der alten Garde noch den Königsmacher spielen, der weiss, wann er persönliche Ambitionen zurückstellen muss.

Autor: Charles Liebherr

...arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent für Radio SRF in Paris. ...war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern. ...war ein Onliner der ersten Stunden. ...mag Reportagen und besonders zwei Frauen.