Benoît Hamon ist Spitzenkandidat der Sozialisten, der nicht Präsident werden will

Die französischen Sozialisten haben ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen Ende April bestimmt. Wie erwartet gewann Benoît Hamon die Vorwahl mit fast 60% aller Stimmen.

Damit hat auch das Lager der Linken bestätigt, was sich als die Regel aller Vorwahlen herausstellte: Alle Favoriten vor der Wahl, waren die grossen Verlierer nach der Wahl.

Cecile Duflot bei den Grünen, Nicolas Sarkozy und Alain Juppé bei den Les Républicains; dann der Verzicht des aktuellen Präsidenten François Hollande für eine zweite Amtszeit und schliesslich die Niederlage des Lückenbüssers Manuel Valls: In allen Vorwahlen für die französischen Präsidentschaftswahlen wurden die Favoriten gestürzt.

Jedesmal wählte die Parteibasis Aussenseiter.

Benoît Hamon will darin einen grossen Hunger nach neuen politischen Rezepten erkennen:

«Ihr habt alle Prognosen auf den Kopf gestellt: Es liegt an Euch zu entscheiden, in welchem Land ihr künftig leben wollt.»

Hamon hat so deutlich gewonnen, weil er eine linke Politik machen will, die Präsident Hollande versprach, aber nie umsetzte.

Er will die Arbeitslosigkeit mit mehr Staatsausgaben bekämpfen, die Arbeitszeit auf 32 Stunden reduzieren und ein Grundeinkommen für alle Franzosen einführen.

Utopisch sei das, sagen seine politischen Gegner innerhalb und natürlich auch ausserhalb seiner Partei.

Hamon will das Gegenteil beweisen und ruft nun zum grossen Schulterschluss im linken Lager auf.

«Wir müssen nun die gemeinsame politische Sache in den Vordergrund stellen und nicht einzelne Kandidaten.»

Die Angesprochenen, der Grüne Yannick Jadot und Jean-Luc Mélenchon vom Front der Gauche, haben aber bereits abgewunken.

Bevor Benoît Hamon Wahlkampf machen kann, muss der Spitzenkandidat der Sozialisten also zuerst einmal mehr Anerkennung finden in seiner politischen Heimat, der linken Linken.

No tags for this post.

Autor: Charles Liebherr

...arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent für Radio SRF in Paris. ...war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern. ...war ein Onliner der ersten Stunden. ...mag Reportagen und besonders zwei Frauen.