4 Fragen, 4 Antworten nach den Vorwahlen der Sozialisten Frankreichs

1. Warum hat Benoît Hamon die Parteibasis der Sozialisten so überzeugt?

Benoît Hamon hat diese Vorwahlen der Sozialisten gewonnen, weil er den linken Parteiflügel der Sozialisten träumen lässt und den radikalen Bruch mit der bisherigen Politik des eigenen, sozialistischen Präsidenten, François Hollande, verspricht.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle und die Senkung der Arbeitszeit auf 32 Stunden die Woche sind die idealen Symbole für seine Politik am linken Rand der Sozialistischen Partei.

Mit diesen Versprechen hat Benoît Hamon die Stichwahl gewonnen, weil er besser als aller anderen einen Linksrutsch der Sozialisten verkörpert.

2. Kann Benoît Hamon die in Frankreich gewinnen?

Kaum, Benoît Hamon werden nur geringen Chancen eingeräumt, die Präsidentschaftswahlen zu beeinflussen.

Das liegt nicht nur an seinen politischen Versprechen, sondern auch daran,  dass es für den Kurs von Hamon bereits einen besser etablierten Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen gibt, nämlich Jean-Luc Mélenchon vom Front de Gauche.

Dieser liegt gemäss Umfragen deutlich vor Hamon und Mélenchon will sich nicht hinter Hamon stellen und seine Kandidatur zurückziehen.

Zwei Kandidaten der fast gleichen Linke stehen sich also gegenseitig auf den Füssen herum.

Das macht einen Sieg gegen die Rechte mit François Fillon oder gegen den Front National von Marine Le Pen eigentlich unmöglich.

3. Will Benoît Hamon überhaupt Präsident von Frankreich werden?

Die Gegner von Benoît Hamon in der eigenen Partei werfen ihm vor, dass er mehr auf den Vorsitz der Partei ziele als auf das Amt des Präsidenten Frankreichs.

Namentlich der frühere Premierminister Manuel Valls, der die Stichwahl gegen Hamon verloren hat, hat so argumentiert.

Das Programm von Hamon schliesst den rechten Parteiflügel der Sozialisten weitgehend aus und es kaum eine gemeinsame ideologische Basis, die nun nötig wäre, um die Fugen in der Partei wieder zu kitten.

Der rechte Parteiflügel entspricht immerhin 40 Prozent der Stimmen in der Partei bei dieser Stichwahl. Zudem sind viele Sozialisten dieses rechten Flügels gar nicht erst wählen gegangen bei den Vorwahlen.

Sie bevorzugen eine Alternative: Emmanuel Macron, der ehemaligen Wirtschaftsminister von Präsident Hollande.

4. Welche Rolle spielt die Sozialistische Partei bei den Präsidentschaftswahlen?

Es sieht danach aus, dass die Sozialistische Partei bei den kommenden Präsidentschaftswahlen kaum noch eine Rolle spielen kann.

Die linke Linke favorisiert im Moment zumindest Jean-Luc Mélenchon.

Der rechte Flügel der Partei läuft in Scharen zu Emmanuel Macron über.

Es gibt also zwei valable Kandidaten im linken Lager, die Chancen haben, in die Stichwahl der Präsidentschaftswahlen zu gelangen, links und rechts des Parti Socialiste.

Beide politisieren allerdings ausserhalb der Partei. Die Sozialisten scheinen diesmal im Abseits zu stehen.

Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.