Affaire Pénélope: François Fillon übt sich in der Schadensbegrenzung

Paris. Parc De La Villette. 29. Januar 2017.

Dieses Publikum musste er nicht überzeugen: Mehr als 10 Tausend Anhänger sind gekommen, um François Fillion zu unterstützen, den Kandidaten für die , aber auch den Ehemann von Pénélope Fillon.

Eine Show wie in den USA. Hand in Hand marschieren die beiden in die Halle ein. Blumen, Tränen, Ovationen, Fahnen, bleu, blanc, rouge.
Alles war so nicht geplant. Dem Kandidaten aufgezwungen, um eine aufkeimende Affaire zu ersticken.

Sie hat den selbsterklärten Saubermann der Nation schwer getroffen diese Woche.

Fillon hat während Jahren seine Ehefrau als persönliche Assistentin im Parlament angestellt. Überhaupt nicht illegal, aber einfach so unpassend zum bisherigen Bild, das die beiden pflegten.

François, der ambitionierte Politiker, Pénélope, die Frau hinter ihm, die immer erklärte, mit Politik nichts am Hut zu haben, die Juristin, die beteuerte, nicht arbeiten zu wollen, um sich der Familie und ihren fünf Kindern zu widmen.

Das ist der Widerspruch, zwischen Anschein und Wirklichkeit, der Fillon so angreifbar macht.

«Man greift mich an, aber ich habe eine harte Haut. Wir haben nichts zu verbergen. Wir haben nur ein Konto in meiner Heimat, in Sablé-sur-Sarthe», rechtfertige sich Fillon.

Die grosse Parteiversammlung war lange geplant, am gleichen Tag wie die Stichwahl der Sozialisten für deren Präsidentschaftskandidaten. Geplant als Volksversammlung der Rechten, um der Linken die Schlagzeilen streitig zu machen.

Das ist gelungen. Aber es war nicht vorgesehen, dass es ein Reigen von Rechtfertigungen werden sollte, dass François Fillon immer noch der richtige Kandidat der Rechten ist.

Drei Stunden Zureden, drei Stunden Durchhalte-Parolen, drei Stunden Hoffnung machen. Hoffnung, dass die Affaire Pénélope schnell vergessen geht.

Diese Hoffnung ist vermessen.

Fillon wird sich die kommenden Wochen dieser neuen Realität stellen müssen: Der Kandidat der Rechten wird in den Augen vieler Wählerinnen und Wähler nun auch als ein Politiker betrachtet, der oben auf dem Podium ein Image pflegt, dass nicht immer seinem Handeln in den Tiefen des Alltags der französischen Politik entspricht.

Die Rechtfertigungen im Original-Ton:

Autor: Charles Liebherr

...arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent für Radio SRF in Paris. ...war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern. ...war ein Onliner der ersten Stunden. ...mag Reportagen und besonders zwei Frauen.