Die französischen Sozialisten spielen sich ins Abseits

Der Aussenseiter Benoît Hamon gewinnt den ersten Wahlgang der Vorwahlen der Sozialisten in Frankreich. Er erzielte rund 36% aller Stimmen.

In der Stichwahl wird der ehemalige Premier Manuel Valls sein Herausforderer sein, allerdings mit wenig Chancen zu gewinnen.

Der linke Parteiflügel der Sozialisten unterstützt nämlich geschlossen Hamon, allen voran der Drittplatzierte Arnaud Montebourg.

Der ehemalige Wirtschaftsminister Montebourg gefällt sich in seiner Rolle als neuer Königsmacher. Er sagt seiner Partei nach Jahren auf dem Irrweg einen Linksrutsch voraus.

„Knapp 60 Prozent der Wähler wünschen sich eine Rückkehr auf den richtigen Weg der Linken“, so Montebourg.

Den richtigen Weg darf Benoît Hamon zeichnen. Er hatte mit seinem Vorschlag, ein Grundeinkommen für alle Franzosen einzuführen, die Debatte unter den Sozialisten geprägt. Dessen Finanzierung gleicht einer Utopie. Egal, die Idee brachte eine klare Mehrheit der linken Wähler wieder zum Träumen.

„Schluss mit unseren alten Rezepten, mit jener Politik, die nicht mehr funktioniert“, strahlte Benoît Hamon nach seinem Sieg.

Der ehemalige Premierminister Manuel Valls findet sich in der ungewohnten in der Rolle des Herausforderers wieder. Und greift in gewohnter Manier frontal an:

„Wir haben nun die Wahl, zwischen unrealistischen Versprechen und einer Linken, die bereit ist, Regierungs-Verantwortung zu übernehmen.“

Die Stichwahl in einer Woche könnte nicht besser zeigen, wie unversöhnlich die beiden Lager der regierenden Sozialisten sind.

 

Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.