Vorwahlen für die Präsidentschaft: Eine Kandidatin und sechs Kandidaten im Kurzportrait

Die Linksparteien, die regierenden Sozialisten und mit ihre verbündete Parteien, führen am 20. Januar und 27. Januar ihren Vorwahlen durch.

Alle am 31. Dezember 2015 Wahlregister eingetragenen Bürger Frankreichs und Französinnen und Franzosen, die im Ausland leben, könnten an der Vorwahl teilnehmen, wenn sie ein Euro bezahlen und eine Charta unterzeichnen, wonach diese sich zu „den Werten der politischen Linken und ökologischer Parteien“ bekennen.

Folgende Partien tragen die Vorwahlen unter dem Titel „Primaires Citoyennes“ mit: Parti Socialiste, Union Démocrates Ecologistes, Génération Ecologie, Front Démocrate, Le Parti Ecologiste und Parti Radical de Gauche.

Kandidieren für die Vorwahlen kann, wer mindestens von 5 Prozent folgender Personen unterstützt wird:

  1. Mitglied des Conseil National du PS (Parlament der Sozialistischen Partei),
  2. Parlamentarier der Sozialistischen Partei,
  3. Mitglied eines Regional-Parlamentes oder Departement-Rates aus mindestens vier von 13 Regionen und mindestens 10 von knapp 100 Departementen des Landes,
  4. Bürgermeister der Sozialistischen Partei einer Stadt mit mindestens 10’000 Einwohnern aus vier Regionen und 10 Departemente.

Kandidaten ausserhalb der Sozialistischen Partei müssen diese Kriterien nicht erfüllen. Jede Partei, die an den Vorwahlen teilnimmt, bestimmt ihre Kandidaten nach eigenen Kriterien.

Die Kandidierenden im Kurzportrait

Manuel Valls, Parti Socialiste, Premierminister 2014 – 2016, 54 Jahre alt

Manuel Valls gilt als Favorit der Vorwahlen. Valls war unter Präsident Hollande zunächst Innenminister und wurde 2014 Premierminister. Er vertritt in Einwanderungsfragen eine harte Linie und bekennt sich in Wirtschaftsfragen zu einer sozial-liberalen Politik. Sein grösstes Handicap ist, dass er Teil der Bilanz des unpopulären Präsidenten Hollande bleibt, obwohl er nun den linken Parteiflügel zu versöhnen versucht.

Arnaud Montebourg, Parti Socialiste, Wirtschaftsminister 2012 – 2014, 54 Jahre alt

Sein Markenzeichen ist „Made in France“. Montebourg wurde von Valls aus der Regierung entlassen, weil er öffentlich die Wirtschaftspolitik von Hollande kritisierte. Montebourg fordert eine expansive Ausgabenpolitik Frankreichs, um die Wirtschafts anzukurbeln und die Arbeitslosigkeit zu senken. Er verlangt von Europa eine Abkehr von den Sparauflagen für die Mitgliedsstaaten der Eurozone und will staatliche Beteiligungen an Industriebetrieben erhöhen.

Benoît Hamon, Parti Socialiste, Bildungsminister 2014, 49 Jahre alt

Hamon war zunächst Staatssekretär und dann Bildungsminister. Nach nur einem halben Jahr zettelte er mit Montebourg zusammen einen Streit in der Regierung über die Wirtschaftspolitik an und schied aus der Regierung aus. Hamon vertritt den linken, gewerkschaftlichen Flügel der Sozialisten und kritisierte Hollande öffentlich für seine Wirtschafts- und Sozialpolitik. Als Präsident will er ein Grundeinkommen für alle Franzosen einführen.

Vincent Peillon, Parti Socialiste, Bildungsminister2012 – 2014, 56 Jahre alt

Der EU-Parlamentarier unterrichtete seit seinem Rücktritt als Minister als Philosophie-Professor in der Schweiz. Seine Kandidatur ist eine Überraschung. Peillon tritt an, um die Politik von Präsident Hollande zu verteidigen und Kandidat Manuel Valls das Leben schwer zu machen. Abgesehen von seinem Kernthema Bildung und Hochschulpolitik ist Peillon in der Vergangenheit politisch nicht gross aufgefallen.

Sylvia Pinel, Staatssekretärin und Präsidentin der Links-Radikalen

Pinel vertritt ihre Partei bei den Vorwahlen. Seit 2016 ist sie Parteipräsidentin des wichtigsten Koalitionspartners der Sozialisten. Sie betreut das Dossier Wohnbaupolitik in der Regierung und gilt als Aussenseiterin. Pinel engagiert sich stark für die Regionalpolitik. Sie ist Vize-Präsidentin der neu geschaffenen Region Occitanie im Südwesten Frankreichs.

François de Rugy. Gründer Parti écologiste, 43 Jahre alt

Nach der Spaltung des Grünen Bündnisses (Europe Ecologie Les Verts, EELV)  2015 gründete de Rugy seine eigene Partei. Er ist dem rechten Flügel der Grünen zuzuordnen. Die Spaltung erfolgte, weil der linke Flügel der Grünen die Regierung von Hollande verlassen wollte. De Rugy vertritt eine grün-liberale Politik und politisiert im Parlament auf der Linie der sozialistischen Regierungsmehrheit.

Jean-Luc Bennahmias, Front démocrate , ex EU-Parlamentarier, 62 Jahre alt

Gründer der mitte-links Partei «Front démocrate ». Bennahmias politisierte einmal im Kreise der Grünen und dann bis 2014 in der Mitte-Partei MoDem. Parteien sind für ihn eher ein Mittel zum Zweck. Er könnte als Freund Hollandes auch Mitglied der Sozialisten oder immer noch der Grünen sein. Dann hätte er aber zu viele Unterschriften benötigt, um kandidieren zu können…

 

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Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.