Präsident Hollande spielt die Sozialistische Partei aus der Abseitsfalle

Zwischen zwei Ausland-Reisen hat sich also der französische Präsident, François , durchringen müssen, auf eine Kandidatur für die Wiederwahl zu verzichten.

Hinter sich zurück lässt er zum einen ein Land, das etwas staunt über seinen Entscheid und zum anderen eine sozialistische Partei, die nicht so recht weiss, was sie nun mit dem ihr zugespielten Ball anfangen soll.

Geplant waren ja Vorwahlen, um Hollande den Rücken zu stärken. Nun ist die Ausgangslage ein völlig andere.

Paradox ist der Schwebezustand, in welchem sich die Sozialistische Parteileitung () nun befindet.

Ihr wurden von der Partei-Basis die Vorwahlen aufgezwungen, vom abtrünnigen linken Flügel der Partei, mit dem mehr oder weniger offen deklarierten Ziel, François Hollande eine Wiederwahl in Elysee zu verunmöglichen.

Nun ist man am Ziel, bevor das Spiel überhaupt angepfiffen wurde. Der Präsident hat sich selber von der Mannschaftsliste gestrichen.

Idealerweise würde nun Premier Manuel den Platz von Hollande übernehmen. Das würde dem linken Flügel ermöglichen, dieselbe Strategie zu verfolgen. Also den sozial-demokratischen, mitte-links Kurs des Kandidaten zu bekämpfen.

Aber Valls ist nicht Hollande und der Premier hat sich in den letzten Wochen rhetorisch geschickt von seinem Chef abgesetzt.

Er ist nicht mehr der natürliche Erbe von Hollands Politik.

Das für die Vorwahlen ins leben gerufene Parteien-Bündnis trifft sich am Samstag in Paris.

Es fehlt ihr nicht an Diskussions-Stoff – unter gehörigem Zeitdruck.
Bis in zwei Wochen muss nämlich eine neue Vorwahl unter neuen Vorzeichen organisiert werden.

Das ist das Zeitfenster, innerhalb dessen die Linke noch eine Überlebens-Strategie finden kann.

Wird aus der Primärwahl der Sozialisten eine Vorwahl des linken Lagers, vielleicht sogar unter Einbezug der wenigen Grünen, die es noch gibt zusammen, dann könnte das ein starkes Lebenszeichen sein der regierenden Sozialisten.

Paradox, dass jene Partei die zerrissener denn je ist und nahe am politischen Bankrott stand, plötzlich wieder zu einem zentralen Faktor im Präsidentschafts-Rennen geworden ist, von links-aussen bis weit in die politische Mitte hinein.

Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.