Hollande will und kann nicht mehr antreten zu seiner Wiederwahl

Überraschend, und doch nicht ganz unerwartet, war die Ankündigung: Frankreichs Präsident François Hollande verzichtet auf eine erneute Kandidatur bei den in einem halben Jahr.

So unpopulär wie noch nie, zieht Hollande die logische Konsequenz aus seiner fortschreitenden politischen Isolierung.

Respektabel, schreibt die linke Zeitung Libération heute Morgen, das Ende einer tristen Epoche, der rechte Figaro, eine bestimmte Form von Mut, kommentiert die katholische Zeitung La Croix, das Ende eines Mandates, das alle Normen sprengte, so die Meinung von l’Opinion.

Das Spektrum der Meinungen ist gross, allen liegt aber die gleiche Analyse zu Grunde: François Hollande konnte nicht anders entscheiden, weil er sich immer mehr ins politische Abseits drängen liess.

„Ich weiss um die Gefahr, dass meine Kandidatur die Linke nicht ausreichend einigen könnte“, sagte Hollande.

In einer langen Aufzählung verteidigte Hollande seine politischen Entscheide und anerkannte Fehler und nicht eingehaltende Versprechen, zum Beispiel die Arbeitslosigkeit zu senken.

François Hollande: „Ich nehme meine Verantwortung war, ich habe eine Bilanz zu verteidigen und stehe dafür ein.“

Das reicht nicht für eine zweite Amtszeit. Zu gross die Ablehnung der Wähler. Hollande hat die Linke gespalten.

Er sagte das vor einer tief-blauen Leinwand, so blau wie die Parteifarben der Rechten und neu auch des Front National.

Rot war nur ein kleiner Streifen auf der Tricolore rechts hinter dem Präsidenten.

 

Autor: Charles Liebherr

...arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent für Radio SRF in Paris. ...war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern. ...war ein Onliner der ersten Stunden. ...mag Reportagen und besonders zwei Frauen.