«L’Effet Trump»: Wie Frankreichs Politiker auf die US-Wahlen reagieren

Auch Frankreich wählt in sechs Monaten einen neuen Präsidenten oder eine neue Präsidentin.

Wie die französischen Politikerinnen und Politiker auf den klaren Sieg des amerikanischen Populisten Donald Trump reagieren, sagt viel darüber aus, was Frankreich in den kommenden Wochen erwartet.

Erklärungen in sechs Twitter-Reaktionen.

Marine Le Pen, Front National

Marine Le Pen, Präsidentin der rechts-populistischen oder manche sagen auch rechts-extremen Front National, hat als Erste reagiert: Schon vor Bekanntgabe der offiziellen Resultates um 07.20 Uhr Pariser Zeit gratulierte sie diesem zum Sieg.

Marine Le Pen politisiert auf der gleichen Linie wie Trump: Sie sieht sich als einzige Vertreterin eine Politik, die gegen das bestehende System gerichtet ist. Gegen Muslime, gegen Einwanderung, für hohe nationale Mauern gegen die Einwanderung – darum freut sich Le Pen am meisten über den Triumph von Trump in den USA.

Nicolas Sarkozy, Les Républicains

Der Kandidat für die Primärwahlen der Rechten und des Zentrums Ende November richtet seinen Wahlkampf am stärksten auf die Wählerinnen und Wähler des Front National aus.

Sarkozy spricht auch viel von drohender Überfremdung, der Gefahr des Islam für Frankreich und nimmt für sich in Anspruch, gegen das Machtkartell der Eliten seines Landes anzukämpfen. Und er schürt bewusst nationale Gefühle. «Ici, c’est la France» hört man an jeder Wahlveranstaltung. Er spricht auch viel von den christlichen Wurzeln Frankreichs und fordert, dass sich alle Einwanderer mit französischem Pass in der Tradition der Gallier fühlen.

Sarkozy zeigte in den letzten Wochen viel Sympathien für Donald Trump.

Alain Juppé, Les Républicains

Alain Juppé reagiert sehr zurückhaltend auf die Wahl von Trump. Der ehemalige Aussenminister ist der grosse Favorit für die Vorwahlen und spricht in seiner Kampagne bewusst und gezielt auch Wählerinnen und Wähler an, die sich der politischen Mitte oder sogar einer sozial-liberalen Politik verbunden fühlen.

Juppé’s Medienmitteilung lässt zwischen den Zeilen erkennen, dass Juppé lieber als französischer Präsident zu Hillary Clinton gereist wäre, welche er persönlich kennt:

Aux Français, je veux souligner tous les risques que la démagogie et l’extrémisme font courir à la démocratie et le caractère vital des choix qu’ils ont à faire.

Die Welt und die USA bräuchten einen Präsidenten, der versöhnlich auftreten könne und sich für den Zusammenhalt in der Welt einsetze, schreibt Juppé.

François Hollande, Präsident Frankreichs

Wie es sich für den Staatschef gehört, gratulierte François Hollande dem neuen US-Amtskollegen Donald Trump zum Sieg, um gleich Hillary Clinton zu gedenken.

In seiner kurzen Ansprache im Anschluss an die wöchentliche Regierungssitzung, sprach Hollande davon, dass nun Europa eine Antwort liefern müsse auf die Wahlen in den USA:

Ce contexte appelle également à une Europe unie et capable de s’exprimer et de porter une politique partout où ses intérêts ou ses valeurs sont en cause: la liberté,la dignité,la cohésion sociale,la lutte contre la pauvret.

François Hollande reagiert also auf sehr klassische Weise auf die US-Wahlen. Im Vorfeld hat der Präsident Donald Trump als grosse Gefahr für die USA bezeichnet.

Nun muss er als Präsident wohl bald diesem Mann seine Meinung persönlich in Washington vortragen, sofern er überhaupt ins Flugzeug steigt.

Als Garant des Klimavertrages von Paris kritisierte Hollande insbesondere Trumps Drohung, das Klimaabkommen, welches auch die USA unterschrieben, wieder zu kündigen.

Jean-Luc Mélenchon, Front de Gauche, Kandidat

Jean-Luc Mélenchon sieht sich als Bernie Sanders der Franzosen. 2012 hatte er Hollande unterstützt, sich aber schon kurz nach dessen Wahl innerhalb des linken Bündnisses in fundamentale Opposition zu Hollande gestellt.

Namentlich die in seinen Augen viel zu liberale Wirtschaftspolitik von Hollande wollte er nicht mittragen. Er bekämpfte zudem das Freihandelsabkommen, das die EU und die USA aushandeln wollten.

Emmanuel Macron, En Marche

Emmanuel Macron will die französische Politik erneuern. Er ist im August aus der Regierung von Hollande als Wirtschaftsminister zurückgetreten, um eine neue politische Bewegung aufzubauen. Wahrscheinlich wird er für die Präsidentschaftswahlen 2017 kandidieren.

Cette élection me parait être l’expression d’un rejet du système profond, et sous-estimé. Le même qui a conduit nos amis britanniques à décider de sortir de l’Union Européenne il y a quelques mois.

Macron sieht sich in der Wahl von Donald Trump bestätigt, dass es höchste Zeit sei, anders zu politisieren. Natürlich will er als Aushängeschild dieser Erneuerung verstanden werden.

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Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.