Aus der Traum nach der #Euro2016 in Frankreich

Der krönende Abschluss blieb den französischen Fussballern verwehrt.

«Les Bleus» verloren das Finalspiel der Fussball-Europameisterschaft gegen Portugal.

Was sportlich nicht ganz gelang, schafften die französischen Gastgeber aber abseits vom Rasen: Die Euro war gut organisiert, die Stimmung mit jeden Spieltag besser und das alles dominierende Thema Sicherheit ging beinahe vergessen – zum Glück.

Grosse Erleichterung ist darum spürbar in Frankreich. Allerdings…

Es fand kein Sommer-Märchen statt in Frankreich in den letzten vier Wochen.

Das Wetter war zu Beginn einfach zu schlecht. Das Hochwasser verschwand erst kurz vor dem Anpfiff zum ersten Spiel.

Der erste Sieg der Gastgeber im Eröffnungsspiel war eher glücklich.

Die Stimmung im Land folgte dem Azoren-Hoch, das sich langsam in Frankreich einnisten konnte. Sie wurde nur langsam besser.

Sie machte schliesslich vergessen, dass zu Beginn nicht nur das Wetter miserabel war. Überall Streiks, auf der Strasse, auf der Schiene und im Luftverkehr. Demonstrationen und Krawalle in zahlreichen Städten. Hitzige Debatten über halbe Reformen und Winkelzüge der Gewerkschaften.

Grosse Angst vor Terror-Anschlägen. Polizisten, Militär, privates Sicherheits-Personal überall und so präsent wie noch nie an einem Sport-Gross-Anlass.

Schlechte Vorzeichen für ein Sommer-Märchen.

Das Land wurstelte sich durch diesen Monat, so typisch für Frankreich, dass am Schluss dann doch die meisten zufrieden waren.

Das ist auch etwas das Verdienst der französischen Fussballer, die sich bei ihren Fans Anerkennung erspielten und vergessen machen konnten, dass die Erwartungen vor dem Turnier alles andere als hoch waren.

Sportlich konnte sich Frankreich in den letzten vier Wochen aussöhnen mit ihren Vorbildern, trotz Niederlage im Final.

In der Politik ist alles viel komplizierter. Zum Glück haben die gewählten Sozialisten, Republikaner, Nationalisten und Populisten es erst gar nicht versucht, aus dem Sport politisches Kapital zu schlagen. Sie spürten wahrscheinlich, dass sie gescheitert wären.

Denn gesellschaftspolitisch ist Frankreich kein Team mehr, dass sich zusammen raufen kann, um gemeinsame Ziele zu erreichen.

Politisch rennt ein Jahr vor den Wahlen jede und jeder für sich. Die Erwartungen der Wählerinnen und Wähler an den Club der Politiker sind sehr tief, auf lange Sicht.

Nach vier Wochen meist guter Stimmung in den Stadien drängt sich nun wieder der vertraute Alltag in den Vordergrund. Er ist weder politisch, noch wirtschaftlich, noch gesellschaftlich ein Traum.

Was bleibt, ist also die Erinnerung an eine kleine, nette Auszeit von Mitte Juni bis Mitte Juli. Sie heisst Fussball-Europameisterschaft und gerät in der Regel schnell wieder in Vergessenheit.

 

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Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.