Frankreich ist kein EU-Turbo (mehr)

«Le réflexe», die französische Reaktion, sie fällt aus wie erwartet: Frankreich bleibt ein verlässlicher Partner der Europäischen Union, sagt der Präsident. Die Realität ist anders.

Natürlich: François Hollande greift nach dem „Brexit-Entscheid“ zum Telefon, ruft Frau Merkel an und reist so schnell wie möglich nach Berlin. Dort klammert er sich rhetorisch geschickt an die deutsch-französische Partnerschaft. Wie immer, der gleiche Reflex.

Das Problem ist allerdings, dass der französische Präsident mit leeren Händen und ohne Ideen im Kopf in Europa unterwegs ist.

Er ist als Präsident so schwach wie noch nie, innenpolitisch so umstritten und so isoliert wie noch nie ein Präsident im eigenen Land.

Niemand rechnet damit, dass dieser Präsident in einem Jahr noch im Amt sein wird, nicht einmal mehr die eigene Partei.

Europafragen – dieses politische Dossier wird es Hollande nicht erlauben, sich selber aus dem tiefen politischen Sumpf zu ziehen, in welchem er festsitzt.

Europa zu Reformieren, Europa eine neue Wirtschaftspolitik zu verordnen, ist ein Wahlversprechen, das Hollande schon in den ersten Monaten seiner Amtszeit begraben musste.

Der deutsch-französische Integration Motor für Europa, dreht im Leeren.

Niemand darf damit rechnen, dass dieser französische Präsident nun plötzlich den ersten Gang einlegt, beschleunigt, und Europa den Weg weist.

Mehr dazu findet sich auch in dieser Analyse für die Website von SRF.

Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.