Die Grossbank UBS in Frankreich am Pranger

Der Grossbank droht in Frankreich Ungemach.

Die Tageszeitung Le Monde zitiert aus den Ermittlungs-Ergebnissen der Untersuchungsbehörden. Diese werfen der UBS vor, in Frankreich bis 2012 ein trickreiches System unterhalten zu haben, das reichen Kunden half, Schwarzgeld in Milliardenhöhe in der Schweiz zu verstecken.

Die Veröffentlichungen von Le Monde deuten darauf hin, dass die Grossbank UBS in Frankreich bald mit einer offiziellen Anklage rechnen muss.

Es ist im Interesse der federführenden Untersuchungsrichter (Guillaume Daïeff et Serge Tournaire), den Druck auf die UBS in Frankreich aufrecht zu erhalten und die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Die öffentliche Meinung in Frankreich ist weitgehend gemacht: Schweizer Banken haben während Jahren reichen und sehr reichen Franzosen geholfen, in der eigenen Heimat zu hinterziehen und grosse Teile ihres Vermögens zu verstecken.

Es fehlt nicht an reich dokumentierten Radio– und TV-Sendungen, Zeitungsartikeln, Büchern und Kinofilmen und sogar parlamentarische Untersuchungsausschüssen.

Das Finanzministerium nährt in regelmässigen Abständen die konsensorientierte Meinungsbildung mit Fakten. 45’000 Franzosen haben sich bisher bei den Steuerbehörden gemeldet, um nicht deklarierte Vermögen im Ausland gegenüber dem Fiskus offen zu legen.

‚Ausland‘ ist gleichbedeutend mit ‚Schweiz‘. 8 von 10 Betrügern hatten nämlich ein Bankkonto bei einer Schweizer .

Erst ein Bruchteil der Selbstanzeige-Dossiers ist bearbeitet. 4’200 Kunden (Stand 30.9.2015) haben bisher an diesem Programm aktiv teilgenommen, schreibt die Zeitung Le Monde. Das heisst, dass diese Kunden nun mit dem Fiskus und ihrem Gewissen im Reinen sind.

Auch das scheint nur die Spitze des Eisberges zu sein. Le Monde zitiert aus den Ermittlungs-Ergebnissen der Untersuchungsrichter. Darin ist die Rede von 13 bis 23 Milliarden Euro, die alleine auf den Konten der UBS in der Schweiz vor dem französischen Fiskus versteckt wurden.

Bekanntlich waren auch andere Banken nicht untätig. HSBC war in den Schlagzeilen und einige Bankiers von Reyl, die zum Teil früher bei UBS angestellt waren, stehen zur Zeit vor den Richtern in der ‚Causa Cahuzac‚.

Alles dreht sich um die Jahre 2004 bis 2012. Angestellte von UBS Schweiz, „les chasseurs“, ‚die Jäger‘ im Bankier-Jargon, sollen bei Golfturnieren, Tennis-Turnieren und anderen mondänen Veranstaltungen gezielt Kunden angeworben haben. Illegal, denn alles hätte über die UBS Tochter in Frankreich laufen müssen.

Also führte gemäss Zeugen-Aussagen die UBS eine doppelte Buchhaltung, eine Milchbüechli-Rechung. Kolonne eins enthielt eine tiefe Zahl; das waren die Vermögen auf dem Konto der UBS in Frankreich. Kolonne zwei, eine grosse Zahl, enthielt den Betrag auf einem Schweizer Konto. Kolonne drei die Differenz.

Das war wörtlich gemeint, denn an dieser Differenz begannen sich die UBS-Entsandten aus der Schweiz und die Angestellten in Frankreich zu reiben, wegen der auszuzahlenden Boni zu Jahresende (ATA im Jargon, Asset Transfer Adjustement).

Diese internen Differenzen unter UBS-Angestellten jenseits und diesseits der Grenze soll gemäss Kennern der Materie den Untersuchungsrichter die Arbeit anschliessend wesentlich vereinfacht haben.

Ins Gespräch kamen Wohlhabende ab 250’000 Euro. Eine vorzügliche Behandlung gab es bei Vermögenswerten ab der Millionengrenze.

Angebissen habe Fische aus verschiedensten Gewässern: Fussballer, Trainer, Berater, aktiv oder im wohlverdienten Ruhestand, besonders flinke Schneider der Haut-Couture-Branche in Paris, aber auch Gross-Industrielle mit aristokratischen Wurzeln, die in Frankreich auch zahlreich in der Provinz zu finden sind.

Viele davon haben inzwischen ‚MEA CULPA‘ gezwitschert und Millionen Euro nachbezahlt und eine Busse obendrauf hingeblättert – abhängig von ihrer Kooperationsbereitschaft mit den Steuerbehörden.

Rund 4,5 Milliarden Euro ausserordentliche Einnahmen durfte Finanzminister Michel Sapin in den letzten beiden Jahren verbuchen.

Die in der Zeitung Le Monde veröffentlichten Details aus den Unterlagen der Ermittlungsbehörden ergänzen die Berichte in anderen Medien in der Vergangenheit.

Weniger überraschend sind die Beschreibungen, wie die UBS ihre Vermögensverwaltungsgeschäft in Frankreich aufgebaut hat.

Da sind Parallelen zu finden etwa zu den USA oder zu anderen Ländern in Europa, namentlich Deutschland.

Interessant sind die aktualisierten Zahlen und die Schätzungen über das Gesamt-Volumen der ‚versteckten‘ Vermögen. Wenn es um Milliarden Euro geht (13-23 Milliarden Euro), dann droht der UBS eine entsprechend hohe Busse. Würde die UBS vor französischen Gerichten verurteilt wegen Beihilfe zu Steuerflucht, dann kann das Strafmass bis 50 Prozent der ‚Deliktsumme‘ betragen. Das wären dann mehrere Milliarden Euro Busse.

Die Zahlen sind natürlich mit grosser Vorsicht zu geniessen und die Untersuchungsrichter haben sicher kein Interesse, diese möglichst tief zu halten, aber sie helfen zu verstehen, weshalb die UBS im Hebst 2014 zu einer ausserordentlich hohen Kaution von 1.1 Milliarden Euro verurteilt wurde im laufenden Verfahren.

Für die UBS eher unangenehm dürfte auch sein, dass gemäss den Richtern die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Deutschland fruchtbare Erkenntnisse erlaubte.

Im Juli 2015 übergaben die deutschen Steuerbehörden ihren französischen Kollegen nämlich einen Datensatz mit Angaben zu 38’330 Konten französischer Staatsangehöriger, die am 30. November 2008 bei der UBS ein Konto aktiv hatten. 8.4 Milliarden Euro sollen auf diesen Konten deponiert worden sein.

Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.