Jérôme Cahuzac, Geld, Macht und ein Absturz

Jérôme Cahuzac verdiente grosses Geld, in dem er Männern das einpflanze, was ihnen ausgefallen war. Cahuzac war ein brillanter Chirurg.

Mit seiner Frau eröffnete er an nobler Adresse in Paris eine Klinik, die sich auf Haartransplantationen spezialisierte.

Die Kunden liessen sich den Besuch bei Cahuzac viel kosten. Nicht alles Geld bezahlten sie auf Geschäftskonto. Ein Viertel -sagen Insider – konnte man auch gleich bar bezahlen oder dann im Ausland deponieren.

Das war das System Cahuzac.

Zum Verhängnis wurden Cahuzacs politische Ambitionen. Er liess sich ins Parlament wählen. Am einfachsten ging es als Sozialistischer Abgeordneter.

Also ging er diesen Weg.

Dann wurde er Experte für Finanzfragen und darum mit der Wahl von Hollande auch Budgetminister.

Zum Portefeuille gehört da auch das Fahnden nach Steuerhinterziehern.

Mediapart enthüllte im Dezember 2012 aber, dass Cahuzac Millionen Euro in der Schweiz und dann in Singapur versteckte.

Er wollte es nicht wahrhaben und log den Präsidenten, alle Parlamentarier und via Media die ganze Öffentlichkeit an.

„Ich habe kein Konto und hatte nie ein Konto im Ausland“.

Es verstrichen nur ein paar Wochen, bis er vom Präsidenten in die politische Verbannung geschickt wurde und dann auch zugeben musste, dass alles wahr und er gelogen hatte.

Jetzt muss er sich vor Gericht verantworten.

Hollande konnte das politische Debakel in dieser Sache gerade noch verhindern. Er schuf eine neue, unabhängige Transparenzbehörde.

Ein paar Staatssekretäre, noch ein paar mehr hohe Beamte und ein paar wenige nationale Politiker(innen) kamen arg ins Schwitzen.

Sie gehören zum Haufen Franzosen, die nun seit Monaten ihre im Ausland versteckten Vermögen „regularisieren“ und beträchtliche Bussen bezahlen müssen.

Bilanz unter dem Strich bis Februar 2016: Plus 3.5 Milliarden Euro ausserordentliche Einnahmen im Finanzministerium.

Dank Cahuzac, ungewollt, natürlich.

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Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.