Ideologische Schulreform auf der Strasse

Ecole 42Der Reform der Sekundarschule, dem Collège, beschert vielen Schülern in Frankreich einen freien Tag.

Deren Lehrer zieht es nämlich auf die Strasse. Sie wollen dort ihren Unmut zeigen über einen neuen Lehrplan, der ihnen eigentlich mehr Freiheiten geben will.

Paradox, aber eben auch typisch für die französische .Die linke Regierung will ein Wahlversprechen einlösen und das Collège umbauen. Sie will den Schulen und Lehrkräften mehr Freiraum geben. 20 Prozent des Unterrichts sollen sie frei gestalten können. Sie sollen mehr Projektunterricht machen können, mehr fächerübergreifende Themen vermitteln, weniger Wissen, mehr die Fähigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler fördern.

Die politische Rechte läuft dagegen Sturm. Sie fordert mehr Autorität in der , mehr Effizienz bei den Lehrern, mehr Disziplin auch und dass sie sich bedingungslos in den Dienst der Republik stellten.

Es spielt eigentlich keine Rolle, ob in Frankreich die Besen politisch von rechts oder links wischen, um die Schule zu entstauben.

In jedem Fall entwickeln sich Anti-Reform-Allergien auf allen Seiten.

Seit Wochen mobilisieren Gegner und Befürworter der Schulreform als ginge es um das Fortbestehen der Republik.

Darum sei halt jede Bildungsreform in Frankreich so schwierig, konstatierte lakonisch der Premierminister Manuel Valls am Radio. Die Schule und die Republik gehörten nun einmal zusammen und das löse logischerweise Diskussionen aus.

Nur in einem Punkt sind sich alle einig, nämlich dass die Schule -vor allem im Collège- ihre Ziele kaum erreicht. Zu viele Kinder brechen die Schule ab, 70 Prozent sagen, sie langweilten sich im Unterricht. Wer aus tiefen sozialen Schichten kommt, hat weniger Chancen, Zugang zu einer höheren Schulbildung zu erhalten.

Es ist ein ideologischer Streit geworden, wie dagegen anzukämpfen wäre.

Vertreter beider Lager strömen auf die Strasse.

Zuhause bleiben Schülerinnen, Schüler und deren Eltern. Das ist nachvollziehbar, denn deren Meinung ist es im zentralistischen Bildungssystem Frankreichs ja gar nicht gefragt.

Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.