Frankreichs Wirtschaft wächst, aber nicht nachhaltig

Die Zahlen sind überraschend gut. Frankreichs Wirtschaft ist im ersten Quartal 2015 um 0.6 Prozent gewachsen. Das ist eine gute Nachricht für die aktuelle Regierung. Allerdings sollte sie sich von den Zahlen nicht täuschen lassen.

Das weiss auch der aktuelle Finanzminister Michel Sapin. Darum ist sein Kommentar zurückhaltend. Seine Regierung halte am Ziel fest, dass Ende Jahr das Wachstum 1 Prozent betragen wird.

Das alles reicht nicht, um die Arbeitslosigkeit zu senken. Das reicht auch nicht, um die Verschuldung des Landes abzubauen.

Die guten Zahlen im ersten Quartal basieren nämlich fast ausschliesslich auf dem privaten Konsum (+0.8%). Das ist gut. Die Gründe gilt es beim milden Winter zu suchen und bei den tiefen Öl-Preisen. Die Bevölkerung hat das so gesparte Geld sofort ausgegeben. Auch das ist nicht schlecht.

Weniger rosig sind die Exporte: Sie liegen tiefer als im 4. Quartal des letzten Jahres. Die Importe steigen. Noch einmal weniger rosig sind die Investitionen der privaten Firmen und der privaten Haushalte. Sie sind rückläufig im 1. Quartal 2015 bei den privaten Haushalten (-1.4%) und stagnieren bei den Unternehmen (+0.2%).

Fazit. Das Wachstum der Wirtschaft in Frankreich ist weniger die Frucht einer klugen Politik, aber vielmehr eine Konsequenz der Politik der europäischen Zentralbank und des tiefen Ölpreises. Das weiss die Regierung. Darum fallen die Kommentare so nüchtern aus.

 

Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.