Frühling am französischen Arbeitsmarkt?

Seit François Hollande Präsident Frankreichs ist, verloren mehr als 500’ooo Menschen ihre Stelle. Der Präsident ist also weit von seinem Versprechen entfernt, die Kurve umkehren zu können.

Die neusten Zahlen vom März bestätigen das noch einmal. Die Arbeitslosigkeit im Land ist noch einmal um 0.4% (+ 15’400 Arbeitslose) gestiegen auf 3,51 Millionen. Das ist eine neue Rekordmarke.

Erstaunlich mild kommentieren heute die Medien diese eigentlich schlechte Nachricht. Grund für diese Zurückhaltung ist, dass seit Beginn des Jahres verschiedene Indikatoren Zeichen der wirtschaftlichen Erholung geben.

Die neuste Umfrage des Amtes für Statistik bei den Konsumenten zeigt, dass deren Kauflust so hoch ist wie seit 2010. Zwar fürchten etwas mehr Menschen, arbeitslos zu werden. Gleichzeitig zeigen sich viele Menschen aber recht zuversichtlich, was ihr persönliches Einkommen betrifft. Das liegt an der Teuerung, die nahezu Null ist. Gleichzeitig sind die Gehälter im letzten Jahr leicht gestiegen. In diesen Zahlen spiegeln sich auch die stark gesunkenen Benzinpreise, was in französischen Haushalten ein besonders sensibler Ausgabenposten darstellt.

Die beste Nachricht kommt aber aus dem Ministerium für . Es hat eben eine umfassende Evaluation der Entwicklung des Arbeitsmarktes vorgelegt. In drei Szenarien rechnen die Strategen vor, dass in den kommenden Jahren bis 2022 jährlich zusätzlich 100’000 – 200’000 Stellen geschaffen werden.

Das wäre dann eine ziemliche Kehrtwende. Denn seit 2007 (Amtsantritt von Nicolas Sarkozy) verlor das Land jedes Jahr im Durchschnitt 100’000 Arbeitsplätze.

Die Trendwende bringen die Baby-Boomer, die in den kommenden Jahren in grosser Zahl in den Ruhestand versetzt werden.

Darum werden vor allem im Dienstleistungssektor und bei den höher qualifizierten Angestellten viele Stellen neu zu besetzen sein. In den kommenden Jahren werden so rund 600’000 Stellen  „geschaffen“. Bei einem Wirtschaftswachstum von jährlich 1.5 % dürfen in den kommenden Jahren jährlich insgesamt also zwischen 740’ooo und 830’000 Arbeitskräfte hoffen, eine neue Stelle zu finden.

Bezeichnenderweise erhebt die Studie in keiner Weise, was die angeblichen Reformen der Regierung Hollande bringen könnten.

Fazit: Alleine wegen der Demographie ist es denkbar, dass der Präsident bis 2017 sein Wahlversprechen doch noch einlösen könnte. Er hat immer gesagt, dass er sich nur unter dieser Bedingung zur Wiederwahl stellen will.

Die Chance stehen also nicht schlecht, dass sich das Szenario 2012 ebenfalls wiederholt und die französischen Wähler noch einmal entscheiden müssen, ob sie Nicolas Sarkozy oder François Hollande als Präsident des Landes inthronisieren wollen. Besser könnte man allerdings nicht zeigen, wie sehr sich das Land im Kreis dreht.

 

 

Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.