Warum Fessenheim wohl noch lange am Netz bleibt

Zwischen Fessenheim und Flamanville liegen fast 1000 Kilometer.

Das Schicksal beider Gemeinden ist aber untrennbar mit einander verbunden.

In Fessenheim steht das älteste Atomkraftwerk Frankreichs. In Flamanville wird das neuste AKW gebaut. Vielleicht.

Denn seit Ende April 2015 ist wieder mal völlig offen, wann der EPR Reaktor in der Nähe von Cherbourg in Betrieb genommen wird.

Die französische Atom-Sicherheit-Aufsichtsbehörde (Autorité de Sûreté Nucléaire, ASN) meldet grosse Zweifel an, ob das Herzstück des Reaktors neuster Generation ausreichend sicher ist.

Es wird weitere Monate dauern bis klar ist, was die Aussage bedeutet. Bis dahin verzögern sich die Arbeiten am Reaktor ein weiteres Mal. Eigentlich sollte Flamanville bereits 2012 in Betrieb genommen werden von den beiden Betreibern AREVA und EDF. Ende 2013 habe beide Firmen jedoch bekannt gegeben, dass Flamanville nicht vor 2017 in Betrieb gehen kann.

Das ist eine Nachricht, die in der Nordwestschweiz und dem Elsass aufhorchen lassen dürfte.

Die französische Regierung hat nämlich versprochen, das AKW in Fessenheim zumindest teilweise vom Netz zu nehmen, das aber immer an das Schicksal und an den Fortschritt der Arbeiten in Flamanville gekoppelt. Die Umweltministerin hat das auch dieses Wochenende noch einmal bekräftigt.

Frankreich unternimmt ja bloss eine halbe Energiewende. Bis 2025 will Frankreich den Anteil Atomstrom auf 50% der Stromproduktion beschränken.

Die neusten Vorbehalte der ASN könnten im extremsten Fall bedeuten, dass das Herzstück des EPR Reaktors in Flamanville völlig neu gebaut werden müsste.

Die Kosten für den Bau des Reaktors steigen also weiter. Es stellt sich die Frage, ob Flamanville überhaupt jemals rentabel betrieben werden kann von EDF.

Greenpeace France redet bereits davon, dass die EPR Technologie dem Tod geweiht sei. Noch ist es nicht so weit.

Klar ist nun aber, dass Fessenheim wohl noch viel länger am Netz bleiben wird. Viel länger als sich das die Bevölkerung in der Nordwestschweiz wünscht. Und viel länger als die Umweltministerin und der Präsident Frankreichs versprochen haben.

Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.