Die Republik auf der Schulbank

IMG_0420.jpgEgalité – gleiche Chancen verspricht Frankreich allen Schulkindern; alle sollen zur Elite aufsteigen können. Aber genau diese Auswahl und Förderung der Besten ist der Grund dafür, wieso in Frankreich mehr Jugendliche aus dem Schulsystem fallen und an den Rand der Gesellschaft geraten als anderswo in Europa. Was soll sich ändern in Frankreichs Schulen?

Frankreichs Schulsystem ist extrem zentralistisch. Erfolgreich erfüllt es das Ziel, eine gut ausgebildete Elite für die Republik zu produzieren. Aber die strikten Lehrpläne und Prüfungsordnungen, lassen kaum Platz für die individuelle Förderung von Kindern aus benachteiligten und schwierigen Verhältnissen. Das Schulsystem produziert neben der Elite auch überdurchschnittliche viele Schul-Abbrecher, die auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen haben. Ohne Schulabschluss und Diplom ist es in Frankreich fast nicht möglich, eine Stelle zu finden.

Frankreich-Korrespondent Charles Liebherr besucht zwei Schulen, die Schul-Abbrechern eine zweite Chance geben wollen. Die eine Schule bietet den Schülern eine individuelle Betreuung und bringt den Jünglingen zum Beispiel Biologie und Rechnen im Rahmen des Trainings im Kraftraum bei. Bei der anderen Schule sind Praktika bei lokalen Betrieben zentraler Bestandteil der Ausbildung.

Innovative Schule für Schulabbrecher in Paris

Weil überdurchschnittlich viele Schul-Abbrecher Migrantenkinder sind, stellt sich die Frage nach einer Reform des französischen Schulsystems nach dem Attentat auf Charlie-Hébdo umso mehr. Aber die Widerstände gegen eine Reform sind gross. Bildungsexperte François Dubet von der Universität Bordeaux sagt, das Problem sei, dass jene das System reformieren müssten, die am stärksten von der Ungleichheit profitieren.

 

 

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Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.