Nur Sieger bei den Departementswahlen in Frankreich

Am Sonntag Abend um 20 Uhr schlossen die letzten Wahllokale. Nur wenige Minuten später freute sich Premierminister Manuel Valls schon über diesen Wahlsonntag.

„Der Front National ist nicht stärkste Partei Frankreichs“, sagte er am Fernsehen. Kurios.

Der Front National ist immerhin zweit-stärkste Partei des Landes, macht mehr Stimmen als die Sozialisten.

Die rote Linke ist so abgeschlagen, dass sie von Erfolg spricht, wenn über das Land bloss eine blaue und nicht eine marine-blaue Welle schwappt.

Blau steht für die Partei von Nicolas Sarkozy.

Im Verbund mit den Zentristen (UDI) wird die Partei des Rückkehrers mit präsidialen Ambitionen schon in einer Woche, beim zweiten Wahlgang, die Sozialisten haufenweise aus den regionalen Parlamenten spülen.

In vielen Wahlkreisen fliessen den rechten Kandidaten sogar die Stimmen der Sozialisten zu, weil diese dazu aufrufen, lieber das kleinere Übel, die UMP, zu wählen als rechts-extrem, also bleu-marine.

Marine Le Pens Partei darf sich also ab sofort nicht mehr „Stärkste Partei Frankreichs“ nennen, gewinnt auch klar weniger Stimmen als vorausgesagt. Der Front National reitet dennoch auf einer Erfolgswelle: Niemand hätte vor drei Jahren geglaubt, dass diese Partei jede vierte Wähler-Stimme erhält.

Kurios, zum Zweiten: Alle Parteien haben das Gefühl, an diesem Sonntag etwas gewonnen zu haben.

Zur Erinnerung, nur jeder zweite Wahlberechtigte ging überhaupt wählen.

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Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.