Gute Nachricht für Velofahrer: Pro Kilometer 25 Cent mehr Lohn

Mein Veloweg ins BüroWer wie ich fast täglich aufs Vélo steigt (siehe Bild), um in Büro zu fahren, gehört in Paris und ganz Frankreich zu einer sehr kleinen Minderheit.

Welche Auswirkungen hätte eine Kilometer-Entschädigung auf dieses Verhalten?Diese Frage wollte das Ministerium für Umwelt exemplarisch klären.

18 Unternehmen und rund 8’000 Angestellte nahmen letztes Jahr an einem Pilotprojekt teil. Wer in den entsprechenden Firmen vom 1. Juni bis 1. November aufs Vélo umstieg als Transportmittel, erhielt eine Kilometer-Entschädigung von durchschnittlich 25 Cent. Die monatliche Entschädigung wurde meist plafoniert auf zwischen 33 und 50 Euro. Frankreichs Unternehmen zahlen einen ganzen Strauss von Entschädigungen für den Transport ins Büro. So gibt es Beiträge an Abonnemente für Tram, Bus, Metro oder Zug. Viele Unternehmen stellen ihrem Personal zudem gratis Parkplatz zur Verfügung. Einige zahlen auch Kilometer-Entschädigungen für Autofahrer.

Ergebnisse:

  • Die Zahl der Mitarbeitenden, die mit dem Vélo zur fahren, steigt um 50%.
  • 4.6 Prozent der Arbeitnehmenden aller teilnehmenden Firmen erhielten mindestens eine monatliche Entschädigung. Zum Vergleich: Im Mittel fahren weniger als 1 Prozent der Franzosen mit dem Vélo an die Arbeit.
  • 30 Prozent der neuen Vélofahrer und 15 Prozent derjeniger, die auch sonst zum Zweirad greifen, geben an, dass sie während der Testphase häufiger das Fahrrad nutzten, zum Beispiel für Einkaufen oder für die Freitzeitgestaltung.
  • Im Durchschnitt betrug die zurückgelegte Strecke vom Wohnort bis zur Arbeit 3.4 Kilometer. Das heisst im Umkehrschluss, dass für diese kurze Distanz doch einige Menschen in der Vergangenheit lieber ihr Auto benutzten.
  • Wenig erstaunlich ist, dass der zeitliche Mehraufwand und das Wetter die grössten Hindernisse sind, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu gelangen. 15% der langjährigen Cyclistes geben an, dass der schlechte Zustand ihres Stahlrosses ein grosses Hindernis darstellt. (Anmerkung: Hier eröffnen sich neue Job-Perspektiven für so manchen Vélo-Mech, oder?)
  • Eine Mehrheit (54%) der Vélofahrer steigt nicht vom Auto oder Moto auf das Vélo um, sondern fährt weniger ÖV. Immerhin, ein Fünftel verzichtet auf das Auto.

Fazit: Paris ist Entwicklungsland in Sachen Berufs-Vélo-Verkehr.

Fazit 2: Logischerweise macht nach dieser Analyse der Fakten auch das französischen -Ministerium keine Vorschläge, wie es nun den nicht-motorisierten Zweirad-Verkehr im Land fördern will.

Ich hätte da einen Vorschlag, ganz ohne neue Gesetze:

Die Unternehmen erhöhen auf freiwilliger Basis die Kosten für Autoparkplätze. Diese Gebühren fliessen in einen Fonds.

Velofahrer teilen sich alles Geld aus dem Fonds abhängig von den gefahrenen Kilometern pro Jahr unter einander auf.

Je höher die Parkgebühren, desto höher der Anreiz mit oder ÖV zur Arbeit zu gelangen. Kommt niemand mehr mit dem Auto, weil zu teuer und kommen alle mit dem , dann fliesst kein Geld mehr.

 

 

Autor: Charles Liebherr

...arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent für Radio SRF in Paris. ...war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern. ...war ein Onliner der ersten Stunden. ...mag Reportagen und besonders zwei Frauen.