J’ai Charlie!

Faut quand même que je vous raconte celle-là.Enfin, nach drei Tagen habe ich auch eine Ausgabe von Charlie Hebdo kaufen können. Legal, was in diesen Tagen nicht selbstverständlich ist.

Natürlich hatte ich mir bereits am Dienstag (einen Tag vor dem Erscheinen) beim Kiosk um die Ecke eine Ausgabe reservieren lassen. Ich hatte Platz 47 auf der Liste erhalten.

Seither sieht mein Morgen so aus: Aufstehen, Duschen, zum Kiosk laufen. Enttäuschung.

Das erste Mal, am Mittwoch war ich um 06.20 Uhr da. Der Kiosk öffnet normalerweise um 06.30 Uhr. Die Dame vertröstete mich auf Donnerstag. Sie hatte nur 50 Exmplare erhalten. Aber sie wollte ihr Leben nicht riskieren bereits um 6 Uhr. Verstanden?

Donnerstag: Siehe Mittwoch.

Freitag: Siehe Donnerstag.

Da kamen erstamals Zweifel, ob ich meine „valeurs républicaines“ nicht doch noch verraten sollte. Ich weiss von Kollegen, die Schmiergeld zahlten, um sich am Mittwoch mit der Ausgabe von Charlie Hebdo zu schmücken.

Meine Zweifel wurden genährt durch folgende Entdeckung: (siehe Bild rechts!)Ohne Titel

Ich darf mit Stolz sagen, dass ich ein guter Citoyen bleiben durfte. Denn die Dame am Kiosk vertröstete mich nicht mehr auf – diesmal – Samstag, sondern auf Freitag Nachmittag.

Venez à 14 heure. Ne dites rien. Juste me regarder! Verstanden?

Ich war pünktlich wie immer. Mit auf den Weg nahm ich eine gute Idee meiner Frau.

Also kaufte ich zunächst unauffällig „Femme actuelle“ und Marie-Claire“, wartete bis ich alleine war und ging zu Kasse. Ohne Worte kam ein Charlie dazu. Von irgendwoher. Also plus 3 Euro.

Daheim musste ich feststellen, dass meine Handlung lächerlich war. Titelstory von „Femme actuelle“ ist eine neue Superdiät von Weight Watchers und auf dem Titelbild von Marie Claire ist Angelina Jolie. Ich werde das Gefühl nicht los, da etwas übereifrig gewesen zu sein.

Nach einer Stunde Lektüre von Charlie Hebdo darf ich aber sagen: Ils m’ont fait rire, ces gens, survivants, ces fous.

Mehrmals. Bravo. Magnifique. Chapeau*!

*Chapeau! ist eine Referenz an Marco F., wobei ich nicht sicher, ob er mir das damals durchgelassen hätte…

 

Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.