Aus dem Leben eines Korrespondenten V: Was mich 2015 erwartet

Was hat die französische Bevölkerung im letzten Jahr (2014) am besten beschäftigt, politisch?

Gemäss einer Umfrage von Odoxa gibt es verschiedene Antworten:

  • Der Front National ist bei den Europa-Wahlen die wählerstärkste Partei mit 25 Prozent der Stimmen. Die Mehrheit ging zwar nicht wählen. Aber das ist dennoch historisch. 51 Prozent der Befragen geben diese Überraschung, die keine war, als grösstes politisches Ereignis im 2014 an.
  • Emmanuel Macron, der Wirtschaftsminister nach dem Abgang von Montebourg, ist die Entdeckung des Jahres. Gut platziert sind auch Marion Maréchal-Le Pen (32%) und der Herausforderer von Sarkozy Bruno Le Maire (30%).
  • Das Buch von Valérie Trieirweiler schafft es auf einen Spitzenplatz, wenn es um politische Skandale geht.
  • Mit Nicolas Sarkozy und Alain Juppé wollen die meisten Bürger des Landes Weihnachten und Neujahr feiern.

Was 2014 war, dürfte mich als Korrespondent wohl auch im kommenden Jahr häufig beschäftigen.

Im März (Departemente) und im Dezember (Regionen) wird gewählt. Die Schlappe der Sozialisten ist programmiert.

Der Siegeszug des wohl auch und die ewige Rivalität von Sarkozy und Juppé dürfte auch im 2015 nicht kleiner werden.

Ich wage also folgende Prognosen:

  1. Hollande wird auch Ende 2015 noch Präsident sein.
  2. Marine Le Pen wird Ende 2015 immer noch siegesgewiss politisieren
  3. Nicolas Sarkozy wird nicht mehr Präsident der UMP, sondern der von „LE RASSEMBLEMENT“ sein.
  4. Alain Juppé wird immer noch der beliebteste Präsidentschaftsanwärter sein Ende 2015.
  5. Emmanuel Macron wird immer noch vom bevorstehenden wirtschaftlichen Aufschwung reden dürfen.

So, jetzt bin ich dann mal in den Ferien bis Ende Jahr… 2014!

Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.