Kein Geheimnis: Nicolas Sarkozy wird Präsident

UMP Wahlen
: Alle warten auf

Die Partei-Basis der UMP (Mouvement pour une Union Populaire) wählt einen neuen Präsidenten. Zwei wollen, insbesondere Bruno Le Maire, aber nur einer gewinnt: Nicolas Sarkozy.

Vier Fragen, vier Antworten:

Ist die Wahl bereits vor der Wahl entschieden?

Ja, Nicolas Sarkozy wird am Samstag Abend als neuer Präsident der UMP gewählt sein.

Die Frage ist eigentlich nur noch, mit welchem Wahl-Resultat. Selber wünscht er sich eine hohe Beteiligung der Partei-Basis und eine glanzvolle Wahl mit mehr als 3/4 der Stimmen.

Er verspricht sich davon gewissermassen ein Mandat, die Partei wie angekündigt umkrempeln zu dürfen, ich würde eigentlich besser sagen : einzustampfen und neu zu gründen…

Wie hat Nicolas Sarkozy hat in den letzten Wochen Wahlkampf betrieben?

Zunächst muss ich festhalten, dass er sich seine Rückkehr nicht so vorgestellt hat. Das Amt des Partei-Präsidenten hatte er ja schon mal inne. Er hätte sich eine spätere Rückkehr als Retter der Rechten gewünscht. Eine Rückkehr als einzig möglicher Retter im Hinblick auf die Wahlen um die Präsidentschaft 2017 in Frankreich.

Eigentlich ist er auch so aufgetreten in den letzten Wochen. Ich war an zwei Veranstaltungen in Paris und Bordeaux. Beides Mal sprach er wie ein Anwärter auf die Präsidentschaft des Landes nicht wie ein künftiger Partei-Manager des rechten Lagers.

Es war der alte Sarkozy, den wir wieder gesehen haben. Impulsiv, opportunistisch gegenüber seinem Publikum, dem er mit leichter Zunge alles verspricht, was es hören will.

Wenig war zu sehen von seinem Versprechen, anders zu sein, offen gegenüber neuen Ideen. Einer der mit jedem Tag mehr am rechten Rand des rechten Lagers argumentierte, als ginge es darum, Sympathisanten des Front National zu überzeugen, jetzt UMP zu wählen.

Wie will Sarkozy die Partei wieder zum Erfolg führen?

Das ist die grosse, offene Frage. Er hat einfach versprochen, alles neu zu machen, die Partei neu zu gründen und die Parteifinanzen in Ordnung zu bringen. Vielleicht schickt er die alte Partei aber einfach nur in Konkurs.
Sucht er den Zusammenschluss im rechten Lager; will er das politische Zentrum einspannen; unter welchen Bedingungen? Wir wissen es nicht genau auch nach rund 30 Auftritten im ganzen Land.

Er will eine neue politische Bewegung gründen, so viel ist klar. Und er wird die UMP zu einer Wahlkampfmaschine umbauen in seinem Sinne und seinem Dienst.

Offen ist auch, wer das Parteiprogramm schreibt und wer darüber bestimmen kann. Er verspricht Mitsprache für alle. Im Wahlkampf haben wir aber eher einen „Nicolas“ gesehen, der allen alles diktieren möchte.

Sarkozy will wahrscheinlich für die 2017 kandidieren. Wie stehen seine Chancen?

Gut, wenn wir die Basis der UMP als Nennwert nehmen.

Deutlich weniger gut, wenn wir den Fächer öffnen, das ganze rechte Lager und das politische Zentrum mit einbeziehen. So gewinnt man gewöhnlich Wahlen – auf breiter Basis.

Da hat  – immer gemäss Umfragen und heute – sein grösster Rivale Alain Juppé die besseren Karten, weil er weniger polarisiert, noch nie Präsident Frankreichs war (nur Premier, Verteidigungs- und Aussenminister), darum als neue Kraft gilt, wenngleich er mit fast 70 Jahren auch kein Vertreter einer neuen Generation Politiker im Land darstellt.

ist ein nüchtern auftretender Landesvater auf liberalem Fundament. Und das kommt zur Zeit besser an als Aktivismus à la Sarkozy, vom dem das Land schon einmal fünf Jahre lang Kenntnis nehmen durfte.

Wer als Kandidat gegen die Linke antreten darf, müsste sich in Primär-Wahlen 2016 zeigen.

Bis dann gilt es im rechten Lager zu klären, wie offen diese Vorwahlen sind: Offen auch für die Zentristen, für andere Parteien im rechten Lager?

Oder gibt es nur Vorwahlen im Sinne von Nicolas Sarkozy, solche also, die garantieren, dass er am Schluss ganz oben auf dem Podest steht.

Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.