Ein Buch zu viel

Die verstossene Première Dame de France, Valérie Trierweiler, hat in die Tasten gegriffen und auf ein paar Hundert Seiten Intimitäten aus dem Präsidenten-Palast zusammengefasst. Ihr Buch erscheint Anfangs September in Grossauflage. Niemand hat darauf gewartet. Auch ich nicht. Und trotzdem bin ich in meine Librairie marschiert, habe 20 Euro auf den Tisch gelegt und zurück im Büro zu lesen angefangen.

Zum Glück kann ich das Buch zur Seite legen, um diese Gedanken nieder zu schreiben.

Naja, Valérie Trierweiler, die Verstossene, wird mit ihrem Buch das kulturelle Erbe Frankreichs nicht bereichern.
Genau so wenig wie eine Grosszahl der französischen Politiker-Kaste das seit Jahren tut, inklusive ihrem obersten Vertreter ‚Monsieur le Président‘.

Valérie, die Eifersüchtige, tut sich schwer damit, nun die Verstossene zu sein aus dieser Kaste.
Ihre Reaktion ist kein politisches Buch, sondern ein paar Seiten mehr in der Kategorie ‚Faits divers‘, Nebensächliches.

Dazugehört, dass es unter Politikern, in konkreten Fall, unter den Freunden des Präsidenten, offenbar normal ist, im entscheidenden Moment, Telefon-Nummern zu verlieren.
Valérie, die Enttäuschte, findet das ‚pas normal‘. Ihre alten Freunde, Manuel Valls ‚et companie‘, hätten sie doch bitte mal anrufen können, um zu fragen, wie es ihr gehe.

Der Einzige, der genau das tat, war der Falsche, nämlich ‚Monsieur le Président‘. Ist das normal? 30 SMS an einem Tag soll er geschrieben haben nach ihrem Zusammenbruch und wochenlang Blumen schicken lassen. Valérie, die Verflossene, soll er sogar zu seinem 60. Anniversaire eingeladen haben.
Nirgends sei man so weit weg von der Realität, wie an den Hebeln der Macht.

Normal, könnte man sagen. pflegt ja mit allen verflossenen Liebschaften einen regelmässigen Austausch. Die Mutter seine Kinder sitzt bekanntlich als Umweltministerin in der Regierung.

Holland hat versprochen, ein normaler Präsident zu sein. Endlich ein Versprechen, das er einlöst. Es ist normal, dass Präsidenten wechselnde Liebschaften pflegen, politische oder amoureuse.

Der Titel hätte für diese Feststellung gereicht: ‚Merci pour ce Moment‘, Valérie Trierweiler.

Die fehlenden restlichen 329 Seiten hätten in der ‚Bibliothèque Nationale de France‘ Freiraum gelassen für reichere Exemplare kultureller Besonderheiten.

Autor: Charles Liebherr

…arbeitet seit Mitte 2014 als Frankreich-Korrespondent
für Radio SRF in Paris.
…war zuvor einige Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF in Bern.
…war ein Onliner der ersten Stunden.
…mag Reportagen und besonders zwei Frauen.