Frankreich ist krank, aber nicht tot

Vor zweieinhalb Jahren wurde der französische Präsident Nicolas Sarkozy nach nur einer Amtszeit abgewählt. An seine Stelle ist François Hollande getreten. Nun hat Sarkozy zur besten Zeit seine Rückkehr auf die politische Bühne bekanntgegeben.

Im Interview mit dem Fernsehsender France 2 hat Sarkozy ein sehr düsteres Bild seines Landes gemalt – und sich präsentiert als der weisse Ritter, der die Nation vor dem Untergang retten könnte. Sarkozys Bild ist in meinen Augen zu düster. Viele Ökonomen sehen das deutlich differenzierter. Viele Franzosen haben auch genug von der Schwarzmalerei.

Ich halte es mit dem neuen Wirtschaftsminister, der sagte, Frankreich sei krank, korrekt, aber man kann ja auch wieder gesund werden. Krank ist nicht tot.

Ob es Sarkozy wieder bis ganz oben schafft, ist zudem alles andere als sicher. Erst muss er die ganze ‚Ochsentour‘ machen – wie wir das in der Schweiz nennen. Und die hat er sich ganz anders vorgestellt. Kommt dazu, dass viele Französinnen und Franzosen Sarkozy gar nicht mehr wollen.

Sarkozy will wieder Präsident werden

Eine Überraschung ist es nicht und doch ein viel beachtete Rückkehr in die Politik in Frankreich: Der abgewählte Präsident Nicolas Sarkozy meldet sich zurück. Er will doch wieder Politik machen, Chef der bürgerlichen Opposition werden, und dann natürlich 2017 auch wieder Präsident aller Franzosen. Ein logischer Weg für Nicolas Sarkozy, nicht unbedingt aber für seine zahlreichen politischen Widersacher.

Nicolas Sarkozy kann nichts besseres

Klar kommt dieser Mann zurück. Aber wie? Nur diese Frage interessiert noch in Frankreich.

Wie bricht er sein Versprechen am Abend der Niederlage gegen François Hollande, der Politik für immer den Rücken zu kehren?

Mit einer Botschaft an seine Fans auf Facebook am Freitag. Mit Interviews in Regionalzeitungen heute Samstag und mit einem grossen TV-Auftritt morgen Sonntag zur besten Sendezeit.

Seine Botschaft: „Ich bin in mich gegangen. Ich will in Zukunft ein anderer sein, ich bin berufen, Frankreich aus der Krise zu führen.“

Logisch stellt sich ein Nicolas Sarkozy nicht die Frage, ob er hierfür der richtige Mann ist.

Andere schon. Die Linke natürlich. Sie ist hat ein altes vertrautes Feindbild wieder. Hofft, nun besser die Nuancen zwischen rechter und linker Austeritätspolitik erklären zu können.

Die Frage stellen aber auch alte politischer Freunde rechts, bei der UMP, Alain Juppé, die sich ebenfalls berufen fühlen, Frankreich zu retten, allerdings mit einem neuen Gesicht.

Und dann gibt es die schweigende Mehrheit. Die gemäss Umfragen weder Sarkozy noch Hollande wollen, sondern eine andere Politik, die ihnen zur Zeit nur die Extreme Rechte verspricht.

Sarkozys Rückkehr verläuft nach Plan. Die Gunst der Enttäuschten zurückzugewinnen, dürfte weniger berechenbar sein.

Berufsbildung mit Note ungenügend

Einfach eine Lehre machen – das beste Rezept gegen Jugend-Arbeitslosigkeit. Die Schweiz – das beste Beispiel dafür, dass dieser Zaubertrank Wunder bewirken kann. Wenn es so einfach wäre, kopierten manche Länder in Europa das Schweizer Modell. Es ist nicht so einfach und das zeigt sich zum Beispiel auch in Frankreich: Politik und Wirtschaft wünschen sich zwar eine Aufwertung der Berufsbildung- weniger als 40 Prozent der Jugendlichen macht eine Lehre. Im gleichen Zug tut sich das Land aber extrem schwer, die bestehenden, tragenden Säulen der Lehrlingsausbildung zu verlassen; nämlich ein zentralistisches Schulsystem und eine nicht existierende Sozialpartnerschaft.

Mission impossible für Premier Valls

Schon wieder muss  sich der Französische Premierminister Manuel Valls einer Vertrauens-Abstimmung im Parlament stellen.  Es ist noch kein halbes Jahr her, dass sich der gleicher Regierungschef Valls die Unterstützung in der Assemblée Nationale holen musste. Niemand rechnete mit einer Abwahl; einmal mehr zeigte sich aber, dass die Linke alles andere als geschlossen hinter ihrer Regierung steht.